Am Freitag, dem 17. April 2026, verlegte der Künstler Gunter Demnig achtzehn Stolpersteine in Sprendlingen und vier Buchschlag. Endlich ging ein langgehegter Wunsch, der Opfer des Nationalsozialismus mit Stolpersteinen in Buchschlag zu gedenken, in Erfüllung.

Im Bogenweg 15 begrüßten Isabel Schilling und Christel Thomsen zusammen mit Bürgermeister Martin Burlon die zahlreichen Besucher der Verlege-Zeremonie. Gemeinsam gedachte man Johanna Woeller und Adele Holfert, im Bogenweg 15, Helene Kroeplien an der Buchschlager Allee 16 und Annemarie Holfert an der Hainer Trift Ecke Ernst-Ludwigallee. Ruhig kniete Gunter Demnig nieder und verlegte die vier Stolpersteine für Buchschlager Opfer des Nationalsozialismus.

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden mit Pfarrerin Ingeborg Verwiebe und Pfarrer Michael Biber hatten einen Beitrag vorbereitet, der das Schicksal von Johanna Woeller und Adele Holfert den Zuhörenden näherbrachte. Die christlichen Pfadfinder vom Stamm Grüner Drache trugen das Gedicht „Das ist der Weg nach Theresienstadt“ von Ilse Weber vor und verlasen ein Amtsschreiben aus der NS-Zeit, unterschrieben von Buchschlags damaligem Bürgermeister Fritz Ruete, welches anschaulich die Ausgrenzung der Jüdin Helene Kroeplien dokumentiert. Wilhelm Ott von den Freunden Sprendlingens berichtete über seine Recherchen zum Schicksal von Annemarie Preusse, die der NS-Euthanasie zum Opfer fiel. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkveranstaltung von Irith Gabriely mit der Klarinette.

Johanna Woeller aus dem Bogenweg, die in den Gaskammern von Auschwitz ermordet wurde, wird bereits 2001 im grünen Buch von Roswitha Wirtig über Buchschlager Erinnerungen erwähnt. Seit Gründung des Geschichtsvereins 2008 hatten wir noch von weiteren Fällen nationalsozialistischer Verfolgung gehört und sammelten Informationen und Hinweise über die Zeit des Dritten Reichs in Buchschlag. Der Anruf von Nikolai Woeller, einem Enkel der Ermordeten, im Juli 2023 war der Anlass unsere Akten erneut zu durchforsten.

Die Gründung der Sprendlinger Stolperstein-Initiative 2024 gab schließlich den Ausschlag, die Verlegung der Buchschlager Stolpersteine endlich in Angriff zu nehmen. Wir sind dem Sprendlinger Team sehr dankbar, dass wir ihrer Initiative beitreten konnten und von ihrer Expertise profitieren dürfen. Unserem Schirmherrn dem Bürgermeister Martin Burlon sind wir ebenfalls zu Dank für seine uneingeschränkte Unterstützung verpflichtet.

Eine besondere Freude war es für uns, dass wir Kontakt zu Angehörigen der Verfolgten aufnehmen konnten. So erschienen zahlreiche Familienangehörige von Johanna Woeller, die aus Frankfurt, Wetzlar und Düsseldorf angereist waren und sich zum Teil in Buchschlag das erste Mal begegneten. Im Anschluss an die Verlegung der Stolpersteine gab es Gelegenheit sich in den Archivräumen des Geschichtsvereins bei selbstgebackenen Waffeln von den Pfadfindern und einer Tasse Kaffee auszutauschen.

In der Offenbach Post berichtete Nicole Jost am 18.04.2026:

22 Stolpersteine erinnern in Dreieich an die ermordeten Nachbarn

 

Dreieich – Die zweite Verlege-Aktion der Stolperstein-Initiative Sprendlingen, in Kooperation mit dem Geschichtsverein Buchschlag, ist ein voller Erfolg. Mit mehr Emotionen und Tiefe kann man Stadtgeschichte unter den Schreckens-Taten der Nationalsozialisten nicht erzählen. Bei bestem Wetter sind viele Zuschauer gekommen, um die Verlegung der 22 Steine durch den Kölner Künstler Gunter Demnig zu begleiten. Musikerin Irith Gabriely schafft mit ihrer Klezmer-Musik die richtige Atmosphäre. Bürgermeister und Schirmherr Martin Burlon erinnert daran, dass die Menschen in Sprendlingen und Buchschlag, die im Nationalsozialismus gestorben sind, nicht nur Worte und Zahlen in Geschichtsbüchern sind: „Es sind Menschen, die Teil unserer Gemeinschaft waren.“ Er mahnt, heute aufmerksam gegenüber Antisemitismus und Ausgrenzung zu sein.

Weiter geht es nach kurzer Pause im Bogenweg in Buchschlag, wo Isabel Schilling und Christel Thomsen vom Geschichtsverein Zuschauer und Künstler in Empfang nehmen. Die Konfirmanden berichten aus dem Leben von Johanna Woeller und Adele Holfert. Hier besonders: Es sind Nachkommen von Johanna Woeller aus Düsseldorf, Wetzlar und Sachsenhausen zu Gast. Die Familie hatte untereinander keinen Kontakt und hat sich dank des Geschichtsvereins vor dem Haus ihrer Großmutter getroffen.

Zur Lebensgeschichte von Helene Kroeplin erzählen die Pfadfinder „Grüner Drache Buchschlag“ an der Buchschlager Allee und am Stolperstein für das Euthanasie-Opfer Annemarie Preusse an der Hainer Trift/Ernst-Ludwig-Allee berichtet Wilhelm Ott, von den Freunden Sprendlingens zu seiner Euthanasie-Forschung.