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Ernst Klee, die NS-Medizinverbrechen

und der Fall Dr. med. Aribert Heim

Im November letzten Jahres eröffnete der Geschichtsverein die Vortragsreihe „Mit und gegen den Strom im Dritten Reich“ - mit und gegen den Strom der Nationalsozialistischen Bewegung stellten sich vier Persönlichkeiten, deren Lebensläufe auch mit Buchschlag verbunden waren. Die Reihe wurde mit einem Beitrag zum NS-Kulturraub eröffnet. Jetzt wird sie mit einem Vortrag über NS-Medizinverbrechen fortgeführt. Prof. Dr. Walter Pehle, Lektor der berühmten „Schwarzen Reihe“ im S. Fischer Verlag referiert über die Arbeit des investigativen Journalisten, Filmemachers und mutigen NS-Forschers Ernst Klee (Frankfurt, 1942-2013), der neue Wege beschritt und als einer der ersten systematische Medizinverbrechen der NS-Zeit aufdeckte. Dafür erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Geschwister-Scholl-Preis.

Zur Sprache kommen Verbrechen an Geisteskranken, Behinderten, Fürsorgezöglingen, Alkoholkranken, auch Arbeitslose und andere „Gemeinschaftsunfähige“ oder „Asoziale“ – kurz „Randständige“, die im NS-Staat ebenso wenig Platz hatten wie Juden, Sinti und Roma.

Bis auf wenige Ausnahmen wurden die verantwortlichen Ärzte und Funktionäre nach 1945 nicht verurteilt und arbeiteten unbehelligt in ihren alten Berufen weiter, ausgestattet mit Ehrenämtern, Orden und Pensionen.

Dr. Dorothee Kaltenbach und Isabel Schilling referieren im Anschluss an den Vortrag von Prof. Pehle über den Fall Aribert Heim. Die Journalisten Nikolas Kulish und Souad Mekhennet veröffentlichten 2015 ihre Recherchen zum Verbleib von Aribert Heim in dem Buch „Dr.Tod – die lange Jagd nach dem meistgesuchten NS-Verbrecher“ (München 2015).

Die Schwester Aribert Heims, Herta Barth, wohnte mit ihrer Familie im Pirschweg 3 in Buchschlag. Heim kam von seinem Wohnort Baden-Baden häufig nach Buchschlag und besuchte seine Schwester, als in den Jahren zwischen 1959 und 1961 die Suche nach seinem Verbleib eingesetzt hatte. Offensichtlich war seine Schwester in seine NS-Tätigkeit und Verfolgung eingeweiht. Sie wurde seine Finanz-bevollmächtigte und ermöglichte ihrem Bruder Aribert durch Geldtransfer seiner Mieteinnahmen mit Hilfe einer Buchschlager Bank den Aufenthalt in Ägypten. Unerkannt konnte er dort bis zu seinem Tod 1992 weiterleben.

Veranstaltung:

Ernst Klee, die NS-Medizinverbrechen und der Fall Dr. med. Aribert Heim, Mittwoch, 22. Januar 2020, 20:00 Uhr, Gemeindesaal der ev. Versöhnungsgemeinde Dreieich-Buchschlag, Buchweg 10

Eintritt 5,- Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weihnachtsbrief 2019

 

Liebe Mitglieder und Freunde des Geschichtsvereins,

der Vorstand des Geschichtsvereins Buchschlag wünscht Ihnen und Ihren Familien fröhliche Weihnachten und eine schöne Weihnachtszeit, in der wir alle unsere leuchtenden Weihnachtssterne in der Buchschlager Allee genießen können.

Wieder geht ein Jahr vorüber und wir blicken auf viele schöne Vorträge, Lesungen, Ausstellungen und Aktivitäten zurück:

Im Januar erfreute uns Harry Keaton mit Zauberkunststücken, im März hörten wir eine Lesung aus dem interessanten Buch von Wolfgang Storm über Jakob Latscha, den Gründer Buchschlags und im Mai erzählte uns Wilhelm Ott über die Geschichte der Wälder rund um die Villenkolonie.

Die Ausstellung bei den „Offenen Gärten“ befasste sich mit den Nachkommen Latschas, es ging um das Haus Lejeune, das früher einmal in der Ernst-Ludwig-Allee 18 stand und 1944 einem Bombenangriff zum Opfer fiel. Dazu haben wir eine Broschüre aufgelegt, die Sie gerne im Archiv bekommen können.

Die „Offenen Gärten 2019“ waren wieder ein voller Erfolg, es gab ein vielfältiges Programm für Jung und Alt, für Buchschlager und Gäste.

Sehr viel Erfolg hatten wir mit unserer Veranstaltung anlässlich des Tages des Offenen Denkmals. Hier ging es um Moderne Umbrüche in Kunst und Architektur und wir beschäftigten uns mit dem Architekten Jochem Jourdan und seinen modernen Häusern in Buchschlag.

Im November begannen wir mit einer kleinen „schwarzen Reihe“ mit Bezügen aus der Geschichte der Nazizeit, es ging hier um August Schirmer und den NS-Raub von jüdischem Kulturgut. Diese Reihe wird am 22. Januar fortgesetzt mit der Geschichte des NS-Arztes und Verbrechers Aribert Heim, der sich in den 60er Jahren öfters unerkannt in Buchschlag aufhielt.

Überhaupt hat das Team des Geschichtsvereins viele neue Ideen und Pläne für das neue Jahr, die Planung der „Offenen Gärten 2020“ ist in vollem Gange, wir wollen die Geschichte des Friedhofs neu erfassen, uns weiter und intensiver um den Denkmalschutz kümmern, die Pläne der Regionaltangente West im Auge behalten und natürlich archivieren, archivieren, archivieren!

Bitte unterstützen Sie uns weiter, besuchen Sie unsere Homepage für die neuesten Informationen und bringen Sie uns Ihre Fotos und Geschichten von Buchschlag.

Wir wünschen Ihnen ein glückliches und gesundes neues Jahr 2020 und freuen uns, Sie bald auf einer unserer Veranstaltungen begrüßen zu dürfen.

Herzliche Grüße Ihre 

Isabel Schilling

gez.  im Namen des Vorstands

18.12.2019

                                                                                              

Stellungnahme zur Regionaltangente West (RTW)

Die Entstehungsgeschichte Buchschlags ist eng mit dem Ausbau der Eisenbahn im vergangenen Jahrhundert verknüpft, die beim Entstehen der Villenkolonie bereits vorhandene Bahnstation ist für Buchschlag von zentraler Bedeutung. Der weitere Ausbau von Verkehrsanbindungen, den die Regionaltangente West bieten wird, ist zu begrüßen.

Damit verbunden sind jedoch auch Bedenken bezüglich der Realisierung. Allen voran die Begleitmaßnahmen, die erforderlich werden, wie Lärmschutz und zusätzliche Parkmöglichkeiten für stetig wachsende Nutzer der Bahnverbindungen. Schon jetzt fehlen laut einem Gutachten aus dem Jahr 2014 etwa 150 Parkplätze.

Auch der Lärmschutz ist derzeit unzureichend und muss mit Hilfe aktiver Lärmschutzmaßnahmen verstärkt werden, damit die Wohn- und Lebensqualität verbessert wird.

Die Variante „Außenbahnsteig“ lehnen wir ab, weil ein erheblicher Grünflächenbestand entfällt, auch wenn sich dieser auf dem Bahngelände, genauer dem überwachsenen vorderen Gleis befindet. Der zusätzliche Bahnsteig mit seinen Befestigungen und Schutzwänden rückt deutlich näher an die denkmalgeschützte Siedlung: aus Landhäusern im Grünen werden Häuser vor der Bahn.

Die Variante „Mittelbahnsteig“ ist daher zu favorisieren, auch wenn die historischen Perron-Dächer versetzt werden müssen.

Die denkmalgeschützten Perron-Dächer aus dem Jahr 1858, übernommen vom Darmstädter Ludwigsbahnhof, sind ein Beispiel für die Verbindung von Funktion, Form und ästhetischem Anspruch im 19. Jahrhundert. Derzeit kommen sie aufgrund der Schutzwand an Gleis 1 nicht zur Geltung.

Die gesamte Bahnsteig-Ausstattung ist im Hinblick auf das denkmalgeschützte Ensemble, das Buchschlag darstellt und zu dem insbesondere der Bahnhof und seine Schutzbauten zählen, derzeit unbefriedigend. Das kann und muss besser werden. Zusätzliche Bauten sollten sich dem ästhetischen Anspruch stellen, der diesen Ortsteil Dreieichs ausmacht.

Mit freundlichen Grüßen der Vorstand des Geschichtsvereins Buchschlag e.V.

Isabel Schilling, Dr. Dorothee Kaltenbach, Kim Bagus,

Bettina Otto, Dr. Carl Kirchmaier, Christel Thomsen

Dreieich, den 15.10.2019

 

 

 

Kurze Geschichte eines Buchschlager Hauses  1913-1944

Vor 75 Jahren, am 25.09.1944, wurde das Haus Lejeune in der Ernst-Ludwig-Allee 18 durch zwei Fliegerbomben vollständig zerstört. Auszug aus dem 5.Heft des Geschichtsvereins, das in Kürze verfügbar ist:

Ein jähes Ende - Fliegerangriff vom 25. September 1944

Die Angriffe auf die Zivilbevölkerung im 2. Weltkrieg waren bis zum 25. September 1944 an Buchschlag nicht ohne Folgen geblieben. Zwei Häuser waren bisher zerstört worden: Haus Eduard Pieper Ernst-Ludwig-Allee 5 am 21.Juli 1941 und Haus Louis Sostmann, Hainer Trift 23 am 20.Dezember 1943. Es hatte drei Todesopfer gegeben: Barbara Piper, Ehefrau von Eduard Pieper und deren Tochter, Erna Tönges sowie Friederike Sostmann.

Als dann im September 1944 ungewöhnlicherweise am Vormittag die Sirenen gingen, zerstörten die Bomben sieben Buchschlager Häuser. Es handelte sich um einen amerikanischen Bombenangriff auf Frankfurt und Umgebung. Die 8. US-Luftflotte warf an diesem Tag 988 Tonnen Bomben auf die Stadt ab. Sie flog weiter Richtung Süden, mögliche Ziele waren die Bahnlinie und das Gaswerk in Sprendlingen.

Diesmal gab es zwei Todesopfer: Mathilde Lejeune (18..-1944) die Schwester von Friedrich Wilhelm Lejeune und Alma Siedhoff Buscher (1899-1944), die Bauhaus-Künstlerin war als Näherin für Uniformen aus Militärdrillich im Zaunweg 12 verpflichtet worden.

Sieben Buchschlager Häuser wurden zerbombt:

Paul Beck, Zaunweg 12;

Friedrich Wilhelm Lejeune, Ernst Ludwig Allee 18;

Witwe Karl H. Biedenkapp, Hainer Trift 6;

Hermann Ling und Grete Grossmann, Wildscheuerweg 20;

August Schirmer, Bogenweg 6;

Ludwig Groth, Buchweg 9;

Kutscherhaus Wienand, Kohlseeweg 4